Fressanfall - eine Folge zu strenger Diät
28. August 2021
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3 Minuten

Menschen, die versuchen, ihr Gewicht zu reduzieren, sind besonders häufig von Heißhungeranfällen und Fressattacken geplagt. Dadurch wird dann regelmäßig der Erfolg sämtlicher Abnehmbemühungen zunichtegemacht.

Wenn der Heißhunger da ist, kann man eigentlich nichts mehr machen. Deshalb sollte man auch auf das nachfolgende schlechte Gewissen verzichten, weil man mal wieder „schwach“ geworden ist. Es hilft ohnehin nicht weiter.

Heißhungerattacken lassen sich nicht mit starkem Willen bekämpfen. Man kann aber daran arbeiten, dass sie in Zukunft immer seltener auftreten. Dazu muss man sich Gedanken über die Ursachen der Fressanfälle machen.

Wenn man daran arbeitet, die Ursachen zu vermeiden, dann werden auch die Heißhungerattacken nach und nach verschwinden. Vollständiger Erfolg von jetzt auf sofort ist allerdings nicht zu erwarten, Geduld und Selbstbeobachtung sind für Verbesserungen notwendig.

Ursachen von Heißhungeranfällen

Ein zu niedriger oder absinkender Blutzuckerspiegel kann Ursache von Heißhungerattacken sein. Denn der Zucker im Blut ist lebensnotwendige Energie für alle Körperfunktionen.

Der Blutzuckerspiegel sinkt um so weiter ab, je länger es her ist, dass die letzte Mahlzeit gegessen wurde. Das Auslassen von Mahlzeiten oder das Essen von zu kleinen Mahlzeiten kann also zu Fressanfällen führen. Zu großer Ehrgeiz bei der Diät kann also Heißhunger hervorrufen.

Mahlzeiten, die viel Zucker oder Weißmehlprodukte enthalten, können nach einem starken Blutzuckeranstieg auch einen zu starken Blutzuckerabfall zur Folge haben. Was ebenfalls Fressanfälle auslösen kann.

Bei Frauen können auch die Hormonschwankungen in der zweiten Zyklushälfte zu Schwankungen im Blutzuckergehalt führen. Mit denselben Folgen.

Psychische Ursachen

Heißhunger kann aber auch auf ganz andere Weise ausgelöst werden. Zum Beispiel, wenn man versucht, sich in Stresssituationen mit Essen abzulenken oder sich für unangenehme Situationen mit Essen zu entschädigen oder sonst irgendwie Essen als Belohnung für Leistungen oder für das Aushalten von unangenehmen Situationen verwendet.

Wenn man das Essen auf diese Weise zweckentfremdet, dann kann es sein, dass man lernt, in solchen Situationen von vornherein mit Essen zu reagieren. Der Körper fordert dann das Essen ein, sobald eine unangenehme Situation am Horizont auftaucht. Statt das Problem zu lösen, fängt man dann zu essen an.

Die starke Beschäftigung mit Essen und Körpergewicht, die meistens damit verbunden ist, dass man sich bestimmte Lebensmittel verbietet, kann zu einer Ausgleichsreaktion des Körpers führen, in der er sich eben genau die verbotenen Lebensmittel holt.

Binge Eating

Binge Eating ist eine Essstörung, bei der Heißhungerattacken mindestens zweimal in der Woche auftreten. Während eines Essanfalls wird sehr hastig gegessen, es wird extrem viel von sehr kalorienreichen Lebensmitteln gegessen, und es wird gegessen, bis es nicht mehr geht. Also weit über das Sattheitsgefühl hinaus.

Nach dem Anfall haben die Betroffenen Schuldgefühle. Der Anfall wird nicht durch Hunger ausgelöst, sondern durch sonstige Situationen. Die Betroffenen können weder die Auswahl der Lebensmittel noch die Menge, die gegessen wird, kontrollieren. Da sie nicht versuchen, die Folgen des Anfalls auszugleichen, sind sie meistens übergewichtig.

Bulimie

Die Bulimie ist eine Essstörung mit sehr ähnlichen Symptomen wie das Binge Eating. Hinzu kommt aber, dass die Betroffenen durch Erbrechen und auch durch Hungern oder exzessiven Sport die Folgen der Fressanfälle zu vermeiden versuchen.

Dadurch sind Bulimiker meistens normalgewichtig, manchmal aber auch untergewichtig. Bulimie ist lebensgefährlich und muss behandelt werden!

Verhindern von Heißhungeranfällen

Wenn Blutzuckerschwankungen die Ursache der Anfälle sind, dann kann man weitere Anfälle durch regelmäßige, ausreichende und abwechslungsreiche Mahlzeiten vermeiden.

Wenig Zucker und Weißmehl, dafür viel Gemüse und Vollkornprodukte zu essen, kann ausreichen, um die Heißhungerattacken zum Verschwinden zu bringen.

Eine gesunde, vollwertige Ernährung führt zu einem relativ konstanten Blutzuckerspiegel und vermeidet dadurch Heißhungeranfälle. Auch hormonell bedingte Heißhungerattacken können dadurch vermindert werden. Eine solche Ernährung ist sehr gut für die langsame, dauerhafte Gewichtsreduktion geeignet.

Heißhungeranfälle können nicht durch verstärkte Kontrolle des Essverhaltens behandelt werden.

Im Gegenteil ist diese verstärkte Kontrolle mit Ursache für das Entstehen von Essstörungen.

Psychisch bedingte Heißhungerattacken können nur durch Behandlung der Ursachen behandelt werden. Dabei kann ein Therapeut oder auch eine Selbsthilfegruppe helfen. Essstörungen sollten immer mithilfe eines Psychotherapeuten behandelt werden. Weitere Informationen gibt es zum Beispiel bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

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Beitragsbild: Photographee.eu/Shutterstock