Abnehmen ohne Stress: wie man Teufelskreise vermeidet

Wer Stress hat, neigt zum Stressessen. Das macht dick. Dicksein ist stressig, das führt zu noch mehr Stressessen. Abnehmen ist auch Stress. Was man trotzdem tun kann.
Stress macht dick, Abnehmen macht Stress, Abnehmen macht dick?
24. Januar 2022
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14 Minuten
Astrid Kurbjuweit

Stress und Abnehmen stehen in zweifacher Weise in Zusammenhang. Auf der einen Seite kann Abnehmen Stress verursachen, auf der anderen Seite führt Stress dazu, dass das Abnehmen schwieriger wird.

Stress ist eine der Ursachen für Übergewicht, die oft vergessen werden. Stress macht dick. Dicksein ist Stress.

Hier geht es darum, was da eigentlich passiert, mit Stress und Körpergewicht, und wie man da wieder rausfindet.

Abnehmen ohne Stress ist möglich. Abnehmen mit Stress ist dagegen sehr schwierig.

Übergewicht macht Stress

Übergewichtige werden immer noch diskriminiert, das ist für die Betroffenen sehr stressig. Übergewicht macht viele Aspekte des Lebens beschwerlich, auch das kann zu Stress führen.

Dicke werden immer noch diskriminiert und gemobbt. Sie werden für weniger kompetent gehalten, werden beim Arzt nicht angemessen behandelt. Dicke verdienen weniger Geld, nicht weil sie weniger können und wissen, sondern weil ihnen weniger zugetraut wird.

Übergewichtige werden pauschal als willensschwach und undiszipliniert angesehen. Es ist stressig, fast ständig mit so einem Vorurteil konfrontiert zu werden.

Alle Menschen haben hier und da Stress, aber für Übergewichtige kommt noch so einiges hinzu, von dem schlanke Menschen schlicht keine Ahnung haben.

Wer dick ist, hat Stress. Mit den lieben Mitmenschen... Body Shaming

Wer dick ist, hat Stress. Mit den lieben Mitmenschen… Body Shaming
Bild: Nicoleta Ionescu/Shutterstock

Abnehmen erscheint als einfachste Lösung, aber es ist keineswegs klar, ob das so stimmt.

Stress als Mitverursacher von Übergewicht

Wer im Stress ist, der vergisst manchmal das Essen. Genauso kann es vorkommen, dass man vergisst, dass man bereits gegessen hat. Sowohl das Auslassen von Mahlzeiten, als auch das zu viel Essen begünstigt Übergewicht.

Auch Fast Food und andere schnelle Mahlzeiten werden mit steigendem Körpergewicht in Verbindung gebracht. Sie haben viele Kalorien, machen dabei nur wenig und nur für kurze Zeit satt.

Wer Stress hat, isst oft zu schnell. Dadurch isst man fast zwangsläufig zu viel, weil die Sättigung nach einer gewissen Zeit eintritt, nicht nach einer gewissen Essensmenge.

Stress wird meistens unangenehm erlebt. Das führt häufig dazu, dass man das Bedürfnis verspürt, sich mit Essen zu belohnen, wenn man das wieder alles ausgehalten hat.

Über einen noch nicht vollständig geklärten Mechanismus führt Stress dazu, dass häufiger Hunger empfunden wird. Stress scheint über die beteiligten Stresshormone auch dazuzuführen, dass die Speicherung von Fett begünstigt und der Abbau von Fett erschwert wird.

Die These vom egoistischen Gehirn (selfish brain)

Im Stress verbraucht das Gehirn mehr Energie als sonst. Da das Gehirn auf Glukose (Zucker) für seine Versorgung angewiesen ist, kann es nicht aus dem Körperfett versorgt werden.

Deshalb signalisiert das Gehirn im Stress, vor allem im Dauerstress, Hunger. Auch Heißhunger. Vor allem Hunger auf Süßes, Kohlenhydrathaltiges. Und weil das Gehirn die Zentrale ist, die alles steuert, sorgt es dafür, dass es bekommt, was es haben will.

Stress macht Hunger auf Süßes

Stress macht Hunger auf Süßes
Foto: Doucefleur/Shutterstock

Der betroffene Mensch isst, vor allem Süßes und Kohlenhydrathaltiges. Das hat nichts mit mangelnder Disziplin oder Willensschwäche zu tun.

Man kann das ungefähr genauso gut steuern, wie die Geschwindigkeit, mit der die Haare wachsen. Gar nicht.

Da das Essen nicht nur aus Kohlenhydraten besteht, wird der Überschuss als Fett eingelagert. Leider sammelt es sich vor allem am Bauch an. Wer sich also vor allem für das Thema Abnehmen am Bauch interessiert, sollte auch die Möglichkeit eines „Stressbauch“ in Erwägung ziehen.

Dieses eingelagerte Fett kann für den Bedarf des Gehirns nicht verwendet werden, also fordert es noch mehr Kohlenhydrate. Ein Teufelskreis, der auf Dauer natürlich dick macht.

Das Gehirn fordert immer mehr Zucker, immer mehr Kohlenhydrate, obwohl das für den Körper und für den Menschen nicht gut ist. Das Gehirn agiert selbstsüchtig, egoistisch.

In der Pandemie haben viele Menschen diesen Teufelskreis kennengelernt, auch solche, die vorher dachten, es wäre Willensschwäche.

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Die These vom egoistischen Gehirn interpretiert die Gewichtszunahme als eine Anpassungsleistung an die Stresssituation. Sodass der Stress auf ein aushaltbares Maß reduziert wird. Für den Preis der Gewichtszunahme.

Solange die Stresssituation besteht, nimmt man zu, kann aber im Gegenzug irgendwie mit dem Stress leben.

Man muss nicht dick sein, um in diesen Teufelskreis zu geraten. Aber wenn man drin bleibt, wird man auf Dauer natürlich dick. Der Ausweg besteht nicht in Diät und Abnehmen, sondern in Stressreduktion.

Die Theorie vom egoistischen Gehirn stammt von Achim Peters, der sie zusammen mit seinen Mitarbeitern in vielen wissenschaftlichen Publikationen und in drei allgemeinverständlichen Sachbüchern aufgeschrieben hat.

Abnehmen verursacht Stress

Viele Diäten und Abnehmmethoden beruhen auf der disziplinierten Einhaltung von Regeln, die den eigenen Bedürfnissen zuwider laufen.

Häufig müssen komplizierte Rezepte nachgekocht werden, oder es müssen ganz bestimmte Lebensmittel gegessen werden, die vielleicht nicht so unbedingt dem Geschmack des Abnehmwilligen entsprechen.

Bei manchen Diäten muss zu bestimmten Zeiten gegessen werden, ohne Rücksicht auf Arbeitszeiten und andere Verpflichtungen.

Und außerdem ist Hunger ein häufiges Problem. Von heute auf morgen ist ein Großteil des Lebens reglementiert. Alles das ist stressig. Die Folge ist, dass man vielleicht durchaus erstmal abnimmt, dass es einem aber keineswegs besser geht als mit den ganzen Überkilos.

Ein eventueller Gewichtsstillstand zerrt in der Situation auch noch mehr an den Nerven, als das in entspanntem Zustand der Fall wäre.

Dazu kommt dann häufig noch eine gereizte Grundstimmung, die auf der Unterversorgung des Gehirns mit Zucker beruht. Konzentrationsprobleme und Gedächtnisschwierigkeiten, die die gleiche Ursache haben, machen dann schnell das Maß voll.

Diese Symptome sind die Signale des Gehirns, das seinen Zucker haben will. Das kann man eine Weile aushalten, in der Zeit steigt der Stresslevel allerdings immer mehr an.

Bis man irgendwann doch lernen muss, wer das Sagen hat. Das Gehirn wird seinen Zucker bekommen.

Das ist natürlich das Ende der Diät. Ein Ende, das viele schon erlebt haben. Aus dem Dargelegten wird vielleicht klar, dass das nichts mit Versagen zu tun hat.

Im Stress ist Diät, egal welche, also nicht zielführend. Man wird zunächst abnehmen, um den Preis, dass man noch mehr Stress erlebt. Aber man wird nicht durchhalten können.

Der Jo-Jo-Effekt wird sich zeigen. Früher oder später.

Besser als Diät ist also ein Ansatz am anderen Ende. Erst den Stress reduzieren, damit es einem besser geht. Damit geht dann auch der Heißhunger auf Süßes weg und Abnehmen ohne Stress und ohne Hunger wird möglich.

Die Reihenfolge ist nicht egal. Erst den Stress reduzieren, dann abnehmen.

Wege aus dem Stress

Entspannung als erster Schritt

Auf der Suche nach Auswegen aus dem Teufelskreis aus Stress und Übergewicht ist das Erlernen einer Entspannungstechnik die einfachste und naheliegendste Sofortmaßnahme.

Wenn man die Ursachen des Stresses nicht, oder jedenfalls nicht jetzt sofort ändern kann, so kann man doch entspannt besser damit umgehen.

Entspannt fühlt man sich besser. Das ist schonmal gut. Wer sich entspannen kann, kann dann aber auch die eigentlichen Probleme viel besser erkennen. Und, wichtiger, auch besser Lösungen finden.

Stress-Ursachen finden und beseitigen

Entspannen ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber noch besser ist natürlich, die Ursachen des Stresses zu beseitigen. Auch wenn das nicht immer vollständig möglich ist, so kann man doch in vielen Fällen den Stress reduzieren, wenn man sich fragt, ob es wirklich notwendig ist, perfekt zu sein. Oder ob nicht gelegentlich auch mal etwas liegen bleiben kann.

Es hilft, Menschen darauf hinzuweisen, wenn sie sich daneben benehmen. Egal, ob sie ihr Verhalten daraufhin ändern, man fühlt sich besser, wenn man seinen Standpunkt klargemacht hat. Das reduziert den Stress ganz erheblich. Mut zahlt sich aus.

Man kann sich aus toxischen Beziehungen lösen, frustrierende Arbeitsverhältnisse ändern. Auch wenn das vielleicht nicht von jetzt auf sofort möglich ist, so hilft es schon ganz viel, wenn man anfängt, sich nach Alternativen umzusehen.

Stress hat ja viel mit dem Ausgeliefertsein an die Situation zu tun. Sobald man sich daran macht, die Situation zu ändern, ist man nicht mehr ausgeliefert. Das reduziert den Stress ganz erheblich.

Bei durch Übergewicht und Abnehmen ausgelöstem Stress hilft es wohl am besten, sich eine stressarme, also zu einem selbst passende Abnehmmethode zu suchen und gleichzeitig an den Verursachern des Stresses zu arbeiten.

Diskriminierungen muss man sich nicht gefallen lassen. Wenn im Alltag vieles beschwerlich ist, dann hilft Training und Übung. Nur weil man dick ist, muss man nicht zwangsläufig auch unfit und unbeweglich sein.

Sobald man anfängt, etwas zu verändern, ist man der Situation nicht mehr hilflos ausgeliefert. Damit verändert sich der Stress hin zu positivem Stress, der weder dick noch krank macht. Das gilt auch dann, wenn es einem letzten Endes nicht gelingt, tatsächlich etwas zu ändern.

Wie bei den meisten Teufelskreisen hilft wohl auch hier am besten, nach und nach an jedem Ende ein bisschen was zu verändern und sich dabei in Geduld zu üben. Viele kleine Erfolge ergeben am Ende einen ganz großen Erfolg.

Abnehmen ohne Stress und Hunger

Wer seinen Stress reduziert, wird nach einer Weile merken, dass sich auch der Hunger, vor allem der Heißhunger, immer seltener in den Vordergrund drängt.

Dadurch wird es dann einfacher, sich gesund zu ernähren und das Gewicht zu halten, nicht mehr zuzunehmen. Wer diesen Zustand erreicht hat, kann dann als Nächstes nach einer Abnehmmethode suchen.

Abnehmen ohne Stress ist möglich. Mit dem Stress verschwindet auch der Hunger.

Abnehmen ohne Stress ist möglich. Mit dem Stress verschwindet auch der Hunger.
Foto: New Africa/Shutterstock

Literatur

Die These vom egoistischen Gehirn wurde von Achim Peters aufgestellt und untersucht. Seine Arbeitsgruppe hat viele wissenschaftliche Publikationen hervorgebracht, in denen die unterschiedlichen Aspekte der These von allen Seiten beleuchtet werden.

Für das allgemeine Publikum hat Achim Peters drei Bücher geschrieben, die inhaltlich zusammenhängen.

Das egoistische Gehirn, Myhos Übergewicht und Unsicherheit betrachten verschiedene Aspekte desselben Problems.

Wer glaubt, selbst schuld an seinem Übergewicht zu sein, für den kann die Lektüre eine riesige Entlastung bringen. Auch das reduziert nochmal Stress.

Niemand ist selbst schuld an seinem Übergewicht. Achim Peters legt die Begründung dafür ausführlich dar.

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Prof. Dr. Achim Peters

Das egoistische Gehirn:

Warum unser Kopf Diäten sabotiert und gegen den eigenen Körper kämpft

Sie glauben, Sie sind schuld an Ihrem Übergewicht? Sie sind es nicht. Verantwortlich ist der Energiebedarf Ihres Gehirns.

Ein Despot, der bestimmt, wann und wie viel wir essen. Kommt es in Versorgungsnot, können wir noch so entschlossen sein, eine Diät einzuhalten – unser egoistisches Gehirn wird etwas dagegen haben und sich durchsetzen.

Dr. Achim Peters zeigt, warum das Gehirn ein Schlüssel für erfolgreiche Therapien sein kann.

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Mythos Übergewicht:

Warum dicke Menschen länger leben. Was das Gewicht mit Stress zu tun hat – überraschende Erkenntnisse der Hirnforschung

Dicksein macht nicht krank, sondern schützt sogar vor Krankheit. Der wahre Grund für das Dickwerden ist Stress. Diäten sind sinnlos, gefährlich und nur ein milliardenschweres Geschäft.

Diese provokanten Thesen stehen im Zentrum des neuen Buches von Achim Peters. Er zeigt auf, dass es kein Übergewicht gibt, sondern nur ein aus der individuellen Lebenssituation erwachsendes Gewicht, das exakt dem Energiebedarf des Gehirns entspricht.

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Und was uns gegen Stress und gezielte Verunsicherung hilft

Die Krankmacher unserer Zeit: Unsicherheit und Stress und wie wir uns dagegen schützen können.

Der Internist und Hirnforscher Achim Peters hat nun das tiefgreifendste Gefühl unserer heutigen Zeit analysiert: Unsicherheit. Er erklärt aus medizinischer Sicht, was Unsicherheit in uns verändert, warum sie uns krank machen kann – und wie wir uns bewusst und ganzheitlich dagegen wappnen können.

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Beitragsbild: Flotsam/Shutterstock