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Warum abnehmen? Vernünftige Gründe und ganz individuelle Wünsche

Warum abnehmen? Weil Übergewicht ungesund ist und das Krankheitsrisiko erhöht? Oder doch eher, damit endlich die Diskriminierung aufhört?
Warum sollte man abnehmen? Jeder hat seine eigenen Gründe
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9 Minuten
Astrid Kurbjuweit
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Warum abnehmen? Warum sollte man abnehmen? Warum möchte man abnehmen?

Während jeder, der etwas mehr wiegt, gesagt bekommt, warum er abnehmen sollte, sind das selten die Gründe, aus denen man die Motivation für so ein großes Unternehmen schöpfen kann.

Besser wäre doch, den Menschen ihre Selbstbestimmung zu lassen, und zu fragen, wie man sie bei dem unterstützen kann, was sie tun möchten.

Die Gründe, warum Menschen abnehmen wollen, sind ganz andere als die, die sie aufgedrückt kriegen.

Warum Abnehmen? Gründe, die Außenstehende anführen

Eine Menge Leute wissen ganz genau, warum Andere abnehmen sollten.

Und so wird den Dicken ins Gewissen geredet. Die Gesundheit. Und sie müssten doch…

Bei genauer Betrachtung hat dieses Vorgehen noch niemanden schlank gemacht.

Hier geht es zunächst darum, was dahinter steckt, und danach dann darum, wie man es besser machen kann.

Die psychologische Attributionstheorie erklärt, warum so viele wissen, was für Andere gut ist

Wenn egal was der Fall ist, dann hat das meistens Gründe. Wenn also zum Beispiel ein Mensch dick ist, dann hat das Gründe.

Es kann daran liegen, dass der Mensch etwas falsch gemacht hat. Oder es kann an Gründen liegen, für die dieser Mensch überhaupt nichts kann.

Etwas falsch gemacht hätte dieser Mensch zum Beispiel dann, wenn er mutwillig alles in sich reingestopft hätte, was er irgendwie finden konnte. Wenn er aber zum Beispiel eine Stoffwechselstörung hat, dann kann er dafür nichts.

Warum Abnehmen? Um sich großartig zu fühlen. Symbolbild

Warum Abnehmen? Objektive Gründe motivieren nicht wirklich. Aber das ganz subjektive Wohlbefinden, das ist ein Grund.
Foto: KieferPix/Shutterstock

Umgekehrt kann jemand erfolgreich abnehmen. Das kann daran liegen, dass er sich wirklich angestrengt und diszipliniert seine Diät durchgehalten hat. Es kann aber auch daran liegen, dass er krank geworden ist.

In jedem Fall gibt es mögliche Gründe, für die man selbst verantwortlich ist. Und es gibt mögliche Gründe, für die man nichts kann.

Was tatsächlich der Fall ist, kann man normalerweise nicht sehen.

Die Attributionstheorie sagt, dass die meisten Menschen dazu neigen, eigene Erfolge sich selbst zuzuschreiben. Wenn jemand anders Erfolg hat, dann meinen sie öfter, dass dieser Mensch Glück gehabt hat oder dass etwas anderes der Grund ist.

Und dann neigen die meisten Menschen dazu, es bei Misserfolgen genau umgekehrt zu sehen. Wenn sie selbst keinen Erfolg hatten, dann sind irgendwelche äußeren Gründe schuld. Wenn jemand anderes keinen Erfolg hat, dann ist er selbst schuld.

Es ist also sozusagen ganz normal, wenn man glaubt, jemand anderes ist selbst schuld an seinem Übergewicht. Wenn man selbst dick ist, ist das natürlich etwas ganz anderes.

Man muss den Dicken sagen, was sie tun sollen. Glauben jedenfalls viele

Aus der Attributionstheorie folgt jetzt, dass viele glauben, dass andere Menschen selbst schuld an ihrem Übergewicht wären. Deshalb muss man ihnen ins Gewissen reden.

Und sie glauben, dass die Dicken nicht von alleine auf die Idee kommen, abzunehmen. Deshalb glauben sie, sie darauf hinweisen zu müssen. Mit Gründen, die sie selbst überzeugen.

Gründe, warum Abnehmen gut wäre

Es gibt ganz objektive Gründe, warum man mit weniger Gewicht besser dran ist als mit mehr Gewicht. Dabei geht es hauptsächlich um Gesundheit.

Es ist nicht ganz klar, wie viel Übergewicht es braucht, um erhöhte Gesundheitsrisiken zu haben.

Aber für sehr starkes Übergewicht (so etwa ab einen BMI von 40) ist nachgewiesen, dass dadurch das Risiko für eine Gesundheitsgefährdung höher ist.

Das ist aber eine sehr abstrakte Begründung. Es gibt keine Garantie, dass man gesund bleibt, wenn man abnimmt. Es gibt keine Garantie, dass man krank wird, wenn man dick bleibt.

Es ist unbekannt, was der Fall ist, wenn man zwar übergewichtig ist, aber einen BMI von weniger als 40 hat.

Für einen selber ändert sich eigentlich überhaupt nichts. Und folgerichtig motivieren diese Begründungen nicht so wirklich zum Abnehmen.

Genannt werden Diabetes, Herz, Fettstoffwechsel, Immunsystem, Alterungsprozesse, Energie, Krebsrisiko als mögliche Nachteile, die den Menschen ereilen können, wenn er nicht abnimmt.

Das ist sicherlich alles richtig. Das Problem ist, dass es niemanden zum Abnehmen motiviert. Es ist zu abstrakt.

Hinzu kommt, dass es eine Drohung ist. Während gleichzeitig kein Weg aufgezeigt wird, wie man den drohenden Folgen entgehen kann.

Es erzeugt nur zusätzlichen Stress. Stress macht dick. Das ist also kontraproduktiv.

Gründe, warum Menschen abnehmen wollen

Die meisten Übergewichtigen sind erwachsene Menschen. Man kann sie also mal fragen, was sie selbst wollen. Bevor man ihnen erzählt, was sie zu wollen haben.

Ganz viele Übergewichtige würden gerne abnehmen.

Aber wenn man sie fragt, warum sie denn eigentlich abnehmen möchten, haben viele erst mal Schwierigkeiten, die Frage überhaupt zu beantworten.

Abnehmen zu wollen ist für viele so selbstverständlich, dass die Frage nach den Gründen erst mal Verwirrung auslöst.

Weiteres Nachdenken führt dann zur Formulierung der unterschiedlichsten Motive.

„Weil ich zu dick bin“ ist ein häufig genannter Grund. Gemeint ist damit meistens, dass man sich zu dick fühlt.

Dieses Gefühl, zu dick zu sein, ist unabhängig vom tatsächlichen Gewicht weit verbreitet und einer der häufigsten Gründe für Abnehmversuche.

Das Gefühl, zu dick zu sein

Leider verschwindet das Gefühl, zu dick zu sein nicht automatisch zusammen mit den Kilos, sondern bleibt oft erhalten.

Sodass der Wunsch abzunehmen bleibt, egal ob der Abnehmversuch nun erfolgreich war oder nicht.

Das Gefühl, zu dick zu sein, scheint eher ein Ausdruck des allgemeinen Gefühls zu sein, nicht richtig oder nicht gut genug zu sein. Dagegen hilft Abnehmen nicht.

Abnehmen, um einfacher shoppen zu können

Ein weiterer, häufig genannter Grund für das Abnehmen ist der Wunsch nach einer kleineren Kleidergröße, danach, problemlos Kleidung einkaufen oder shoppen zu können.

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Für dieses Konsum-Ziel nehmen viele auch gesundheitlich bedenkliche Abnehmformen wie Crash-Diäten oder Abnehmpillen in Kauf.

Die normgerechte Figur scheint für viele wichtiger zu sein als die Gesundheit.

Wer Menschen erzählt, dass sie nicht richtig sind, egal, ob explizit oder implizit, macht sich hier mitschuldig.

Der Wunsch nach Anerkennung und Bewunderung

Ein oft in unterschiedlichen Formen geäußerter Wunsch im Zusammenhang mit dem Abnehmen ist der, dass man sich Anerkennung und Bewunderung wünscht.

Viele scheinen zu denken, dass Schlanke automatisch Bewunderung und Anerkennung auf sich ziehen würden.

Tatsächlich ist es ja eher so, dass Schlanksein immer noch eher die unauffällige Norm ist, Schlanke eher übersehen als bewundert werden.

Dicke werden oft nicht übersehen und dann abgelehnt oder gemobbt, aber das heißt nicht, dass Schlanke automatisch positiv auffallen.

Der Wunsch nach Anerkennung lässt sich oft mit anderen Mitteln besser erfüllen als ausgerechnet mit Abnehmen.

Warum Abnehmen nicht die Lösung aller Probleme ist

Viele, die nicht so genau sagen können, warum sie denn nun eigentlich abnehmen möchten, erhoffen sich von einem niedrigen Körpergewicht die Lösung aller ihrer Probleme. Viele ihrer Sätze fangen mit „wenn ich erst schlank bin, …“ an.

Zusammengefasst gibt es fast unendlich viele Abnehmgründe, die man zusammenfassen kann als den Wunsch, dass die Diskriminierung doch endlich aufhören soll.

Fast immer führen solche Gründe zum Scheitern des Abnehmversuchs.

Denn die zugrundeliegende Unzufriedenheit wird durch ein geringeres Gewicht nicht aufgelöst. Wenn das eigentliche Problem ein niedriges Selbstwertgefühl ist, dann hilft Abnehmen nicht.

Die Vorstellung, dass das Selbstbewusstsein mit sinkendem Gewicht von alleine steigt, ist nicht zutreffend.

Und die Vorstellung, dass die Ablehnung durch andere Menschen dann weniger werden würde, ist leider meistens auch nicht zutreffend.

Aber daneben gibt es noch eine andere Klasse von Abnehmgründen.

Das Wohlfühlgewicht

Es stimmt, dass Übergewicht das Wohlbefinden einschränkt.

Es ist einfach lästig, bei jeder Kleinigkeit außer Atem zu geraten, in Schweiß auszubrechen oder anderen Misslichkeiten ausgesetzt zu sein.

Natürlich kann man auch dick und trotzdem sportlich sein, aber es fällt definitiv leichter, wenn man leichter ist.

Und Probleme, die mit starkem Übergewicht entstehen, wie zum Beispiel die Unmöglichkeit, seine Fußnägel selber zu schneiden, lassen sich nur durch Abnehmen lösen.

Wenn es wahr ist, dass Übergewicht das Wohlbefinden einschränkt, dann ist es auch wahr, dass das Wohlbefinden mit jedem Kilo weniger steigt.

Das stimmt jedenfalls dann, wenn man mit gesunden, nicht einschränkenden Methoden abnimmt.

Es ist nicht nötig, das minimale Gewicht zu erreichen, das vom vorherrschenden Schönheitsideal propagiert wird, es reicht aus, erst mal ein bisschen weniger zu wiegen als jetzt gerade und dann weiterzusehen.

Der Effekt für das Wohlbefinden ist enorm.

Wer diesen Zusammenhang verstanden hat, wer akzeptiert hat, dass es ohnehin nicht realistisch ist, über Nacht zu einer bewunderten Schönheit zu mutieren, der kann mit guten Erfolgsaussichten abnehmen und sich dabei über jedes einzelne verlorene Kilo freuen.

Man wird sein individuelles Wohlfühlgewicht erkennen, wenn man es erreicht hat, man kann es nicht im Voraus ausrechnen.

Wahrscheinlich ist dieses Wohlfühlgewicht auch das, das die besten Chancen auf ein gesundes Leben bietet.

Denn wer abnimmt, um sich wohlzufühlen, der wird zu diesem Zweck zu gesunden Mitteln greifen, wie gesunder Ernährung und Sport und Bewegung. Notwendig ist nur, sich zu befreien von einschränkenden Normen und Schönheitsidealen.

Sich zu befreien von Menschen, die alles besser wissen.

Der Erfolg beim Abnehmen hängt also stark davon ab, warum man abnehmen möchte.

Das Ausgangsgewicht ist dagegen relativ unwichtig.

Wer sich beeinflussen lässt von Forderungen, die andere an ihn stellen, hat genauso eher schlechte Erfolgsaussichten wie jemand, der sich von äußeren Normen und Schönheitsidealen beeinflussen lässt.

Wer dagegen sein ganz persönliches Wohlbefinden als Grund des Abnehmens nennt, der hat gute Aussichten, dieses Ziel auch zu erreichen.

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Beitragsbild: My Good Images/Shutterstock