Welche Produkte helfen beim Abnehmen?

Welche Arten von Abnehmprodukten gibt es und wie wirken sie? Was davon ist empfehlenswert und was nicht?
Produkte zum Abnehmen - Pulver für Shakes
12. Januar 2022
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7 Minuten
Astrid Kurbjuweit

Es gibt eine große Auswahl von Produkten auf dem Markt, die das Abnehmen unterstützen oder sogar ganz alleine bewerkstelligen sollen. Die Versuchung, das Abnehmen auf diese scheinbar mühelose Weise hinter sich zu bringen, ist natürlich groß. Die angebotenen Abnehmprodukte können dabei in mehrere Klassen eingeteilt werden.

Sie unterscheiden sich in der Art, wie sie wirken und natürlich in den Wirkstoffen, die jeweils verwendet werden. Dieser Artikel bietet eine Übersicht über die verschiedenen Mittel und ihre Wirkungsweisen.

Welche Abnehmprodukte gibt es?

  • Es gibt Abnehmprodukte, die den Stoffwechsel beschleunigen und dadurch den Energieumsatz erhöhen. Sie werden meistens als Fatburner bezeichnet.
  • Es gibt Appetithemmer. Sie wirken zentral auf das Gehirn und vermindern die Lust auf Essen.
  • Es gibt Produkte, die im Magen aufquellen und dadurch das Volumen des Magens verkleinern. Sodass man nicht so viel essen kann. Sie werden als Sättigungskapseln vermarktet.
  • Es gibt Produkte, die sich im Magen oder im Verdauungstrakt mit Fetten oder anderen Nahrungsbestandteilen verbinden und dadurch verhindern, dass sie verdaut werden können. Teile der Nahrung werden unverdaut wieder ausgeschieden. Sie werden als Fettblocker oder Fettbinder bezeichnet. Analog gibt es auch Kohlenhydratblocker.

Alle diese Produkte oder Schlankheitsmittel haben, trotz ihrer unterschiedlichen Wirkungsweisen, ganz grundsätzliche Gemeinsamkeiten.

Bei all diesen Abnehmprodukten ist die beabsichtigte Wirkungsweise durchaus vorstellbar, aber die wenigsten Abnehmmittel sind auf ihre Wirksamkeit hin untersucht worden.

Bei denen, die untersucht sind, ist die tatsächliche Wirkung bescheiden. Im Allgemeinen wirken die Mittel nur solange, wie man sie einnimmt. Danach nimmt man wieder zu. Und in sehr vielen Abnehmprodukten sind Substanzen enthalten, die alles andere als gesund sind.

Abnehmprodukte sollen mühelos schlank machen. Die tatsächliche Wirkung ist eher bescheiden.

Abnehmprodukte sollen mühelos schlank machen. Die tatsächliche Wirkung ist eher bescheiden.
Foto: Tijana Moraca/Shutterstock

Hinzu kommt, dass auch rein pflanzliche Produkte gefährliche Nebenwirkungen haben können. Die Natur hat sehr wirkungsvolle Gifte hervorgebracht. Rein pflanzlich bedeutet deshalb keinesfalls harmlos!

Natürlich gibt es auch noch Produkte mit Scheinwirkungen wie hautstraffende Cremes oder Gels, die am Körpergewicht oder am Körperfettanteil natürlich nichts ändern.

In diese Kategorie gehören auch Versuche, das Körperfett durch verschiedene Massagetechniken oder durch Wärmeeinwirkung zum Verschwinden zu bringen. Das Fett lässt sich aber nun mal nicht schmelzen. Deshalb können diese Abnehmprodukte auch nicht wirken.

Abführmittel verringern zwar das Gewicht, weil sie dazu führen, dass man seinen Darminhalt schneller loswird, auf das Körperfett hat das aber keinen Einfluss.

Enzympräparate könnten theoretisch zu einer verbesserten Verdauung und damit besseren Ausnutzung der Nährstoffe führen. In der Praxis werden sie jedoch im Magen-Darm-Trakt in ihre Bestandteile zerlegt und sind dann einfach Proteine.

Fatburner sollen den Stoffwechsel anregen

Es gibt eine ganze Reihe von Substanzen, die den Stoffwechsel anregen und damit den Energieverbrauch erhöhen. Diese Substanzen führen, jedenfalls in ausreichend hoher Dosierung, zu einer Beschleunigung des Herzschlags und der Atmung, zu einer Erhöhung des Blutdrucks und der Körpertemperatur.

Dadurch wird natürlich mehr Energie verbraucht. Diese Produkte werden häufig als Fatburner bezeichnet, obwohl die verbrauchte Energie keineswegs zwangsläufig aus dem Körperfett stammen muss.

Die Intensität der Wirkung ist von der verwendeten Substanz und von der Dosierung abhängig. Dagegen ist die Art der Anwendung egal. Ob das Produkt die Form von Tabletten, Kapseln, Pulver, Creme, Gel oder Pflaster hat, hat keinen Einfluss auf die Wirksamkeit.

In jedem Fall müssen die jeweiligen Substanzen vom Körper aufgenommen werden, auf welchem Weg dies geschieht, ist egal.

Je besser die Wirkung dieser Produkte, desto intensiver sind auch die Nebenwirkungen. Denn eigentlich ist das, was als Nebenwirkung wahrgenommen wird, die tatsächliche Wirkung.

Ein beschleunigter Stoffwechsel fühlt sich nunmal extrem unangenehm an. Dabei kann ein erhöhter Blutdruck und ein beschleunigter Herzschlag schnell unangenehm und durchaus auch lebensgefährlich werden.

Da viele Mittel über keine Zulassung verfügen, gibt es keine Garantie für den Wirkstoffgehalt. Es kann auch sein, dass Substanzen enthalten sind, die nicht angegeben sind. Dieses Risiko ist besonders dann hoch, wenn im Internet aus dem Ausland, aus unklaren Quellen bestellt wird.

Wer in der Apotheke oder in der Drogerie kauft, ist zumindest dann auf der sicheren Seite, wenn die Dosierungsanweisungen eingehalten werden.

In jedem Fall kann es leicht zu einer (unbeabsichtigten) Überdosierung kommen. In dem Zusammenhang sind auch schon Todesfälle vorgekommen.

Zusammenfassend kann man sagen, die Produkte dieser Kategorie können wirken, allerdings nur dann, wenn sich auch die Nebenwirkungen unangenehm bis gefährlich bemerkbar machen.

Vergleichsweise harmlos ist der Fatburner Koffein. Wenn er in üblicher Dosierung tatsächlich zum Abnehmen führen würde, wären alle Kaffeetrinker schlank.

In hoher Dosierung, also als Kapseln oder Pulver eingenommen, ist die Koffein-Wirkung dagegen mindestens unangenehm.

Außerdem wirken die Fatburner nur so lange, wie sie angewendet werden. Durch die Nebenwirkungen erzeugter Stress wird von vielen mit Essen kompensiert, dann bleibt keine erkennbare Wirkung mehr übrig.

Da die Produkte keinen Lerneffekt hervorrufen, kann man davon ausgehen, dass man, sofern man überhaupt abnimmt, direkt nach Absetzen des Mittels wieder zunehmen wird.

In der Zeit der Anwendung dieser Produkte wird entweder überhaupt keine Wirkung erzielt (bei geringer Dosierung) oder aber die Nebenwirkungen beeinträchtigen die Lebensqualität ganz erheblich.

Auch in diesem Fall kann nicht zwangsläufig von einer Gewichtsabnahme ausgegangen werden. Allerdings sind Placeboeffekte häufig. Sie gehen mit einem vorübergehenden Gewichtsverlust einher. Dauerhaft wirkende Placeboeffekte sind nicht bekannt.

Der gleiche stoffwechselanregende Effekt lässt sich übrigens ganz nebenwirkungsfrei auch mit Sport und Bewegung erzielen. Dabei wird nebenbei noch durch die Muskelarbeit zusätzliche Energie verbraucht.

Appetithemmer und Appetitzügler

Die meisten Appetitzügler sind Substanzen chemischer Herstellung, die zentral auf die Sättigungsregulation im Gehirn einwirken. Die Wirkung ist real, man nimmt damit tatsächlich ab. Jedenfalls solange, wie man die Mittel einnimmt.

Wegen massiver Nebenwirkungen bis hin zu Todesfällen haben die meisten dieser Substanzen allerdings inzwischen ihre Zulassung verloren, sind also auf legalem Weg nicht mehr zu bekommen.

Auch die, die noch zu bekommen sind, sind alles andere als frei von Nebenwirkungen. Besondere Vorsicht ist bei Produkten aus dem Internet geboten, die aus dem Ausland verschickt werden. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass diese Produkte die Zulassungsbestimmungen einhalten.

Auch kann es sein, dass diese Produkte Substanzen enthalten, die nicht deklariert sind. In einem solchen Fall, der leider nicht einfach zu erkennen ist, sind lebensbedrohliche Komplikationen bis hin zur Entwicklung von Psychosen oder auch dem Tod möglich.

Auch verschreibungspflichtige, legale Substanzen sind nicht nebenwirkungsfrei. Ob man dieses Risiko für eine geringe, vorübergehende Gewichtsreduktion eingehen möchte, muss sich jeder selbst überlegen.

Besonderer Beliebtheit erfreuen sich Appetithemmer pflanzlicher Herkunft. Sie erscheinen harmloser als die pharmazeutischen Abnehmprodukte, wirken auch milder oder weniger intensiv.

Es kann allerdings keinesfalls davon ausgegangen werden, dass diese Produkte nur deshalb harmlos sind, weil sie aus pflanzlichen Grundstoffen hergestellt sind. Pflanzen produzieren die unterschiedlichsten Giftstoffe.

Außerdem stehen die Pflanzen häufig unter Naturschutz und es besteht ein Einfuhrverbot. Ein Beispiel ist Hoodia gordonii.

Wer solche Substanzen im Internet bestellt, verstößt unter Umständen auch noch gegen dieses Einfuhrverbot.

Aber auch wenn der Versender eine Einfuhrerlaubnis hat, bedeutet das nicht, dass die Produkte auch die Substanzen enthalten, die auf der Packung angegeben sind. Unangenehme Überraschungen durch unerwartete Nebenwirkungen sind in jedem Fall möglich.

Diese Produkte können nur so lange zu einer Gewichtsreduktion führen, wie sie auch eingenommen werden. Nach Absetzen der Einnahme muss man damit rechnen, sofort wieder zuzunehmen. Denn man hat nicht gelernt, wie man schlank bleibt.

Fettblocker oder Fetthemmer

Die Substanz Orlistat ist ein Wirkstoff, der die Aufspaltung von Fetten im Darm verhindert und so die Fettaufnahme reduziert. Sie ist in wirksamer Dosierung verschreibungspflichtig.

Durch den Wirkstoff wird das fettspaltende Enzym Lipase an seiner Arbeit gehindert. Dadurch wird das Fett, natürlich zusammen mit den fettlöslichen Vitaminen, unverdaut wieder ausgeschieden.

Das Medikament ist nur dann halbwegs nebenwirkungsarm, wenn gleichzeitig eine fettarme Diät eingehalten wird. Man könnte es also auch ohne das Medikament, nur mit fettarmer Ernährung probieren.

Die Wirkung des Medikamentes ist untersucht. Dabei ist die über die Wirkung eines Placebos hinausgehende Wirkung eher gering. Mit Orlistat behandelte Patienten verloren in einer Studie im Durchschnitt 3,2 Kilo mehr an Gewicht als die Patienten einer Kontrollgruppe.

Ob der eher geringe zu erwartende Erfolg die möglichen Nebenwirkungen und die hohen Kosten rechtfertigt, muss mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Andere Fettblocker haben eine noch geringere Wirkung, man kann sie in der Apotheke oder der Drogerie kaufen.

Kohlenhydratblocker oder Carb-Blocker

Kohlenhydratblocker wirken auf ähnliche Weise wie die Fettblocker. Enzyme, die für die Kohlenhydratverdauung zuständig sind, werden an ihrer Arbeit gehindert, die Kohlenhydrate werden unverdaut wieder ausgeschieden.

Bei entsprechenden Produkten handelt es sich um Medizinprodukte oder Nahrungsergänzungsmittel, nicht um Arzneimittel. Entsprechend ist die Wirkung nicht untersucht.

Da die Kohlenhydratverdauung bereits im Mund beginnt, ist es allerdings schwierig, eine tatsächliche Wirkung herbeizuführen.

Quellstoffe sollen den Magen füllen und schneller satt machen

Quellstoffe werden häufig als Sättigungskapseln verkauft. Diese Produkte arbeiten nach einem einfachen Prinzip. In einer Kapsel oder ähnlichen Darreichungsform befindet sich ein Quellstoff, der sich im Magen mit Wasser vollsaugt und dadurch ein großes Volumen erreicht.

Der Magen ist schneller gefüllt und entsprechend soll die Sättigung mit einer geringeren Nahrungsmenge erreicht werden. Es werden viele verschiedene, meistens pflanzliche Ballaststoffe als Quellmittel verwendet, die Wirkungsweise ist immer dieselbe.

Der Grundgedanke ist der, dass die Sättigung vom Füllungsgrad des Magens abhängt. Das ist natürlich richtig, aber leider gibt es daneben noch eine ganze Reihe anderer Faktoren, die an der Regulation von Hunger und Sättigung beteiligt sind.

Entsprechend gering ist der Abnehmerfolg, wie übrigens auch bei Methoden mit ähnlicher Wirkungsweise wie Magenballon und Magenband.

Auch diese scheinbar harmlosen Mittel sind nicht ohne mögliche Nebenwirkungen. Bei unzureichender Flüssigkeitsaufnahme kann es zu Verdauungsproblemen bis hin zum Darmverschluss kommen.

Man muss wirklich sehr viel trinken, das wird oft unterschätzt. Nur dann sind die Mittel sicher.

Produkte zum Abnehmen sind meistens keine Medikamente

Die meisten Abnehmprodukte sind keine Medikamente, sondern Medizinprodukte oder Nahrungsergänzungmittel. Entsprechend können die Hersteller nach ihrem eigenen Gutdünken Inhaltsstoffe zusammenmixen. Solange die Sicherheit der Anwendung gewährleistet ist, ist das legal.

Angebotene Produkte enthalten entsprechend oft viele verschiedene Wirkstoffe, die unterschiedliche Wirkungsweisen miteinander kombinieren. Den Angeboten ist nicht immer zu entnehmen, welche Wirkungsweise denn nun angestrebt wird.

Sie passen also oft nicht in eine der oben aufgemachten Kategorien, sondern gleich in mehrere, das aber auch nicht so richtig. Das tatsächliche Wirkversprechen ist also oft unklar, es wird mehr mit Emotionen als mit Fakten gearbeitet.

Wenn man unbedingt mit solchen Hilfsmitteln abnehmen möchte, dann sollte man zumindest darauf achten, dass die verwendeten Wirkstoffe zugelassen und legal sind, dass die Wirkstoffe eindeutig deklariert sind und die Versprechen nachvollziehbar belegt werden.

Wenn schon, dann kauft man also besser in der Apotheke oder der Drogerie, nicht im Internet bei unbekannten Versendern.

Wirklich wirksame Produkte zum Abnehmen

Die wirklich wirksamen Produkte zum Abnehmen gibt es übrigens in jedem Lebensmittelgeschäft zu kaufen, auch Sportgeschäfte haben eine große Auswahl. Was wirklich hilft, ist gesunde Ernährung, Sport und Bewegung.

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Beitragsbild: Lecic/Shutterstock