Die Max-Planck-Diät: Warum der Erfolg eine Illusion ist

von Astrid Kurbjuweit
Kaffee schwarz, wichtig bei der Stoffwechsel-Diät
8. November 2021
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8 Minuten

Die Max-Planck-Diät ist eine Wunderdiät. Weil Max Planck absolut nichts damit zu tun hat und die Max-Planck-Gesellschaft sich ausdrücklich von dieser Diät distanziert hat, wird sie auch als Stoffwechseldiät bezeichnet.

Denn sie soll, angeblich, den Stoffwechsel so verändern, dass man nach der Diät nie mehr dick werden kann. Es wäre schön, wenn das wahr wäre. Nur leider sieht die Realität anders aus. Im Folgenden geht es darum, warum die schönen Versprechungen leider nur schöner Schein sind und was man stattdessen erwarten kann.

Was ist die Stoffwechsel- oder Max-Planck-Diät?

Die Diät folgt einem verbreiteten Schema: Sie verspricht das Erreichen attraktiver Ziele, die aber nur dann erreicht werden sollen, wenn man sich streng an die Vorschriften hält. Wenn man das tut, dann wird die Zielerreichung mehr oder weniger garantiert.

Leider gibt es niemanden, an den man sich wenden kann, um seine Garantie einzulösen. Aber das ist nur ein Randaspekt.

Der andere Randaspekt ist, dass die Vorschriften der Diät recht schwammig formuliert sind. Man kann also keineswegs sicher sein, dass man sich streng an die Vorschriften hält, egal, wie sehr man sich bemüht.

Damit man das Ganze auch glaubt, wird es unter einem mit Respekt und Kompetenz assoziierten Namen angeboten. Der Physiker und Nobelpreisträger Max Planck hat allerdings, trotz des Namens, nichts mit dieser Diät zu tun, genauso wenig die Max-Planck-Gesellschaft.

Max Planck war ein theoretischer Physiker, der bereits 1947 gestorben ist. Es ist nicht bekannt, ob er sich jemals für Diäten oder Abnehmen interessiert hat, aber es ist sicher, dass er nicht der Urheber dieser Diät ist.

Auch ein nicht näher bezeichnetes Institut für Ernährungswissenschaften, das manchmal als Urheber der Diät genannt wird, scheint es nicht wirklich zu geben.

Jedenfalls lässt sich keins finden, das genauso heißt, und unter denen, die ähnliche Namen tragen, ist keins dabei, das die Urheberschaft an dieser Diät reklamieren würde. Im Gegenteil distanzieren sich so einige Institute sehr nachdrücklich von dieser Diät.

Es bleibt unklar, wer die Diät erfunden hat. Die ersten Erwähnungen stammen aus den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, aber ein Autor ist nirgends genannt. Wer die Max-Planck-Diät erfunden hat, ist also nicht bekannt.

Aufgrund der deutlichen Distanzierung der Max-Planck-Gesellschaft von dieser Diät wird sie in letzter Zeit häufiger unter der Bezeichnung Stoffwechseldiät angepriesen.

Max-Planck-Diät: Die Versprechungen

Die Diät verspricht, dass man, wenn man sich genau an die Vorschriften hält, innerhalb von zwei Wochen bis zu neun Kilo abnehmen kann.

Bevor man diese Aussage glaubt, sollte man bedenken, dass bis zu neun Kilo natürlich höchstens neun Kilo bedeutet. Die Aussage ist also auch dann richtig, wenn man weniger als neun Kilo, vielleicht überhaupt nicht abnimmt.

Der tatsächliche Inhalt der Aussage unterscheidet sich von der hervorgerufenen Assoziation, es ist eben Werbung.

Ist es möglich? In zwei Wochen 10 kg abnehmen?

Da die Verbreitung der Diät über Hörensagen oder das Internet erfolgt, werden aus den 9 Kilo auch schnell mal 10. Aber das ist nicht der relevante Punkt.

Tatsache ist, dass es möglich ist, nach zwei Wochen neun oder 10 Kilo weniger auf der Waage zu haben. Allerdings nicht für jeden. Zwei Einschränkungen müssen gemacht werden:

  • um in zwei Wochen neun oder 10 Kilo abzunehmen, muss man ein sehr hohes Ausgangsgewicht haben.
  • die neun oder 10 Kilo beziehen sich ganz eindeutig auf die Anzeige der Waage. Es wird kein Wort über den Fettabbau verloren.

Mit hohem Ausgangsgewicht sind 10 Kilo Gewichtsabnahme in zwei Wochen zu schaffen

Wer „nur“ 90 Kilo oder sogar noch weniger wiegt, wird eine so hohe Gewichtsabnahme nicht schaffen. Wer allerdings 250 Kilo oder mehr auf die Waage bringt, hat gute Chancen. Sicher ist es aber auch dann nicht.

In beiden Fällen wird es nach den zwei Wochen aber nicht so weiter gehen. Über die Zeit danach schweigt sich die Diät schlicht aus. Nach Erreichen des Ziels ist man auf sich alleine gestellt.

Und dieses Ziel ist in fast allen Fällen nur ein erstes Zwischenziel. Die allermeisten, die diese Diät machen, stehen vor der Frage, wie es danach weitergehen soll.

10 Kilo weniger auf der Waage sind nicht gleich 10 Kilo weniger Fett

Wer abnehmen möchte, kontrolliert seine Erfolge meistens auf der Waage. Aber eigentlich geht es beim Abnehmen ja darum, das überschüssige Körperfett loszuwerden. Und da gibt es leider eine unangenehme Wahrheit, die die Max-Planck-Diät schlicht ignoriert:
Körperfett kann man nicht schmelzen, in Luft auflösen oder sonst wie zum Verschwinden bringen. Körperfett ist gespeicherte Energie. Um es loszuwerden, muss man die Energie verbrauchen. Das ist der einzige Weg.

In einem Kilo Körperfett sind ca. 7.000 Kalorien gespeichert. In 10 Kilo sind es also ca. 70.000 Kalorien. Die meisten eher unsportlichen Menschen verbrauchen so um die 2.000 Kalorien am Tag.

Durch Sport kann man das steigern, aber auch gut trainierte Leistungssportler kommen selten auf mehr als 4.000 Kalorien pro Tag. Wer bisher unsportlich war, wird mit den ersten Sportversuchen nicht mehr als vielleicht 400 Kalorien verbrauchen.

Allerdings wird Sport bei der Diät mit keinem Wort erwähnt.

Wie man da in zwei Wochen 70.000 Kalorien verbrennen, zusätzlich verbrauchen oder einsparen soll, ist schlicht ein Rätsel. Man kann auch sagen, es ist unmöglich.

10 Kilo weniger sind möglich, aber…

10 Kilo weniger auf der Waage sind natürlich trotzdem möglich. 10 Liter Wasser wiegen auch 10 Kilo. Wer einmal gründlich auf dem Klo war, verliert auch das eine oder andere Kilo.

Wer zu wenig isst und deshalb seine Glykogenvorräte verbraucht, verliert nochmal ca. 2 Kilo. Und nicht zu vergessen, in einem Kilo Muskelmasse sind „nur“ ca. 4.000 Kalorien gespeichert, also nur etwas mehr als halb soviel wie in einem Kilo Fett.

Ob wirklich 10 Kilo in zwei Wochen zusammenkommen, ist eher fraglich, aber man kann recht schnell recht viel Gewicht verlieren, wenn es einem egal ist, was man da genau verliert.

Allerdings geht das alles nur einmal, danach bleibt nur der harte, langsame Weg über den Fettabbau. Nicht zu vergessen, dass eine so extrem schnelle Gewichtsreduktion eine sehr große Einladung für den Jo-Jo-Effekt ist.

Bedenken muss man auch, dass man in zwei Wochen keine neuen Gewohnheiten entwickelt. Das ist aber nötig, wenn man dauerhaft schlank bleiben möchte.

Das zweite Versprechen: Die Stoffwechsel-Umstellung

Das zweite Versprechen der Max-Planck-Diät ist noch wunderbarer. Denn wenn man sich streng an die Diät-Regeln hält, soll man eine dauerhafte Umstellung des Stoffwechsels erreichen.

Innerhalb der zwei Diät-Wochen soll sich der Stoffwechsel so verändern, dass man in den folgenden drei Jahren nicht mehr zunehmen kann. Wie das gehen soll, wird nicht gesagt.

Seit den 70er Jahren haben etliche Leute diese Diät gemacht. Ob jemand dabei war, der tatsächlich drei Jahre lang nicht mehr zugenommen hat, egal, was er gemacht oder gegessen hat, ist nicht bekannt.

Und genau das ist seltsam. Denn die Begeisterung müsste doch eigentlich laut zu hören sein. Spätestens seit der Erfindung des Internets müsste doch der eine oder andere seine Erfolge gepostet haben.

Was man allerdings immer wieder sieht und hört, sind Leute, die auf der Suche nach der nächsten Wunderdiät sind.

Auch wenn es nicht exakt nachgewiesen ist, so steht doch sehr stark zu vermuten, dass die Versprechen der Max-Planck-Diät schlicht aus der Luft gegriffen sind.

Für diejenigen, die sich nicht abhalten lassen, folgen jetzt trotzdem noch die genauen Diät-Vorschriften.

Wie geht die Max-Planck-Diät? Die Diät-Vorschriften

Die Max-Planck-Diät besteht aus einem einfachen Ernährungsplan, der drei Mahlzeiten am Tag vorsieht. Die Mahlzeiten dürfen nicht vertauscht werden, man muss genau das essen, was auf dem Plan steht und darf nichts Zusätzliches essen.

Als Getränke sind nur Wasser und Mineralwasser erlaubt, Alkohol und alle nicht speziell genannten Getränke sind streng verboten.

Die Vorschriften müssen unbedingt exakt eingehalten werden, um Erfolg zu haben, selbst kleinste Sünden sollen zum kompletten Versagen der Diät führen. Manchmal wird noch festgeschrieben, dass der Diätbeginn nur montags oder mittwochs sein darf. Es gibt also neben der pseudo-wissenschaftlichen auch eine magische Komponente.

Der Diät-Plan

Hier kommt der originale Diät-Plan. Wer ihn ausdrucken möchte, darf das gerne tun. Besser wäre, es nicht zu tun und stattdessen eine gesunde Ernährungsumstellung zu starten.

1. Tag der Stoffwechsel-Diät
Frühstück: Kaffee schwarz ohne Zucker in beliebiger Menge.
Mittagessen: 2 gekochte Eier, Spinat wenig angedickt.
Abendessen: 1 großes Steak gegrillt oder 3 Beefsteaks gebraten, grüner Salat und Sellerie

2. Tag der Stoffwechsel-Diät
Frühstück: Kaffee schwarz ohne Zucker und 1 Brötchen.
Mittagessen: 1 großes Steak, grüner Salat und alle Arten von Früchten (außer Bananen).
Abendessen: Schinken gekocht unbegrenzt

3. Tag der Stoffwechsel-Diät
Frühstück: Kaffee schwarz ohne Zucker und 1 Brötchen.
Mittagessen: 2 gekochte Eier, Salat und Tomaten.
Abendessen: Schinken gekocht und grüner Salat

4. Tag der Stoffwechsel-Diät
Frühstück: Kaffee schwarz ohne Zucker und 1 Brötchen.
Mittagessen: 1 gekochtes Ei, Mohrrüben gekocht oder roh und Schweizer Käse.
Abendessen: Früchte und Natur-Joghurt

5. Tag der Stoffwechsel-Diät
Frühstück: Mohrrüben mit Zitrone und schwarzem Kaffee.
Mittagessen: gedünsteter Fisch und Tomaten.
Abendessen: 1 Steak und grüner Salat

6. Tag der Stoffwechsel-Diät
Frühstück: Kaffee schwarz und 1 Brötchen.
Mittagessen: gegrilltes Huhn.
Abendessen: 2 gekochte Eier, Mohrrüben

7. Tag der Stoffwechsel-Diät
Frühstück: Tee mit Zitrone.
Mittagessen: 1 Steak gegrillt, Früchte nach Wahl.
Abendessen: frei nach Wahl – alles was Sie essen mögen

Tage 8 bis 14 der Stoffwechsel-Diät
sind eine exakte Wiederholung der Tage 1 bis 7. Man beginnt also einfach wieder von vorne.
Nach diesen vierzehn Tagen sollen acht oder neun Kilo verschwunden sein und das Gewicht soll die nächsten drei Jahre konstant bleiben, ohne weitere Diät.

Es soll unbedingt notwendig sein, sich exakt an diese Vorschriften zu halten. Leider ist es ganz und gar nicht einfach, sich dran zu halten.

Was für Steak ist gemeint, wie groß soll es sein, darf es mariniert sein? Salat soll man essen, darf es ein Salat-Dressing dazu geben? Wenn ja, welches? Ist überhaupt grüner Salat gemeint oder darf es auch Kartoffelsalat sein?

Max-Planck-Diät: Steak soll man essen

Max-Planck-Diät: Steak soll man essen
Foto: Joshua Resnick/Shutterstock

Ein Brötchen soll man essen, mit oder ohne Belag? Einmal gibt es gegrilltes Huhn. Ein ganzes, oder wie viel? Und so weiter. So gut wie jeder Eintrag in der Liste wirft Fragen auf.

Dafür, dass man sich exakt dran halten soll, ist die ganze Diät sehr schwammig formuliert. Aber vielleicht ist es auch genau das.

Man muss sich exakt dran halten, selbst kleinste Abweichungen sollen zum kompletten Versagen führen. So, wie der Plan dann formuliert ist, wird es sich wohl eher nicht vermeiden lassen, dass man sich dann doch nicht so exakt dran hält. Das Versagen ist also unvermeidlich.

Natürlich erübrigen sich auch Fragen nach Abwandlungen der Diät, ob es vielleicht eine vegetarische oder vegane Variante gibt. Nein, natürlich gibt es alles das nicht, denn es muss ja exakt so sein, wie im Plan aufgeführt.

Max-Planck-Diät: der Vorher-Nachher-Vergleich

Viele Diäten werben damit, dass man hinterher schlanker sein soll als vorher. Das ist natürlich auch bei der Max-Planck-Diät so. Der Vorher-Zustand wird nicht so genau festgeschrieben, aber hinterher soll man bis zu neun Kilo leichter sein, und das für ganze drei Jahre.

Wer nicht neun, sondern zum Beispiel 30 Kilo abnehmen möchte, sollte sich also eine andere Diät suchen. Denn maximal neun Kilo abnehmen und dann drei Jahre lang unverändert dort stehen zu bleiben, macht nicht jeden glücklich.

Fazit

Auch wenn der Name Max-Planck-Diät Wissenschaftlichkeit suggerieren soll, ist von dieser hier nichts zu sehen.
Es handelt sich einfach um eine willkürliche Auflistung von Regeln und Lebensmitteln ohne jede Begründung, ohne jeden wissenschaftlichen Hintergrund.

Aufgrund der offensichtlichen Absurdität der Behauptung, der Stoffwechsel würde sich innerhalb von zwei Wochen für die nächsten drei Jahre umstellen, kann auch vermutet werden, dass es sich bei dieser Diät um eine Art Karikatur des Diätwahns handeln könnte.

Für diese Vermutung spricht auch, dass der Erfinder der Diät unbekannt ist. Es gibt jedenfalls noch mehr Diäten, die diesem Schema folgen: unrealistische, aber attraktive Ziele, strenge Regeln und der Name einer Autorität, die nicht infrage gestellt werden darf.

In jedem Fall kann von dieser Diät nur abgeraten werden, die Ziele sind unrealistisch, die Mittel, mit denen sie erreicht werden sollen, sind nicht besonders gesund.

Auch wenn man in zwei Wochen wahrscheinlich noch keine großen Mangelerscheinungen bekommen wird, so wird man in diesen zwei Wochen auch nicht acht oder neun Kilo Körperfett verlieren, sondern höchstens Wasser.

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Die Versuchung ist also groß, die Diät zu verlängern, was dann definitiv ungesund wird.

Es gibt keine Möglichkeit, im Körper einen Schalter umzulegen, sodass eine Gewichtszunahme danach unmöglich wird. Wenn man mehr isst, als man verbraucht, wird man zunehmen, auch wenn man vorher eine Stoffwechseldiät gemacht hat.

Die Verlockung ist natürlich groß, nur zwei Wochen, und dann drei Jahre lang schlemmen …

… leider sind solche Verlockungen vollständig unrealistisch. Eine langfristige Ernährungsumstellung lässt sich nicht vermeiden, wenn man auf Dauer nicht mehr zunehmen möchte.

Es steht zu befürchten, dass es eine der Diäten ist, die nicht schlank, sondern dick machen.

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